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Biografie-Datenbank » Amos, Tori


Amos, Tori
Stand: 02.06.2006 - 11:41

Nachname / Bandname: Amos
Vorname: Myra Ellen
Geburtsort / Gründungsort: Newton, North Carolina, USA
Geburtsdatum / Gründungsdatum: 22.08.1963
Todestag: -

"Ich lege mich ungern fest, um was es in meinen Songs geht, denn sie handeln von so vielen Dingen", sagt Tori Amos. Tatsächlich behandelt sie Songs wie eigene Geschöpfe. Jeder hat seine eigene Identität, Persönlichkeit und Agenda. Die Songs ihres neunten Albums "The Beekeeper" haben eine immanente Dringlichkeit, sie wollen aufrütteln und bewegen, sie sind teils schrille Alarmsirenen und teils sanfte Signallampen in der Dunkelheit. "Es zieht ein Sturm auf am Horizont", sagt Amos. "Er kommt, mit aller Macht. Er kann emotionaler oder körperlicher Natur sein - oder beides."

"The Beekeeper" ist eine Allegorie, ein Gleichnis. Es geht um diesen Sturm und die Reise einer Frau durch ihn hindurch. Das Album ist nicht streng autobiographisch zu verstehen, betont Amos. Dennoch räumt sie ein: "Wenn ich mich nicht zum großen Teil damit identifizieren könnte, könnte ich die Stücke nicht singen." Es geht um die Zeit in der wir leben, und darum, wie schwierig es ist, die Wahrheit zu finden in dem Gewirr aus Lügen, Mythen, zufälligen Erkenntnissen und politischen Manipulationen, in dem sich die Vereinigten Staaten verfangen haben. Für Amos haben die Probleme dabei viel weniger mit der Aufsplitterung der Bevölkerung in Bush-Befürworter und Bush-Gegner, in Republikaner und Demokraten zu tun, sondern viel mehr damit, wie Macht, Glaube und Beziehungen in den USA benutzt und missbraucht wurden.

"`Scarlet´s Walk`, mein letztes Album war stark durch meine indianischen Wurzeln beeinflusst", sagt Amos. Bei diesem Album war es anders: "Dieser Krise, mit der sich Amerika derzeit konfrontiert sieht, kann ich nur als Christin gegenübertreten. Wenn die Lehre Jesu von Politikern für Manipulationen benutzt wird, muss ich mich als Mitglied der christlichen Kirche damit auseinandersetzen."


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Und Amos verfügt über den entsprechenden spirituellen Hintergrund. Als Tochter eines methodistischen Predigers ist sie im wahrsten Sinne des Wortes in der Kirche groß geworden. Über ihre Kindheit und ihre Beziehung zur Religion spricht sie ausführlich in dem Buch "Tori Amos: Piece by Piece", das sie zusammen mit der renommierten Musikjournalistin Ann Powers geschrieben hat. Während sie sich für "The Beekeeper" vorbereitete, beschäftigte sich Amos mit den frühsten Tagen des Christentums. Neben Matthäus, Markus, Lukas und Johannes befasste sie sich auch mit den gnostischen Evangelien der Nag Hammadi Bibliothek, die 1945 in Ägypten entdeckt wurden. Tori Amos las Elaine Pagels "The Gnostic Gospels" und fragte sich: "Was, wenn wir alle auf dem falschen Weg sind und uns über die Jahrhunderte ohne es zu wissen vom wahren christlichen Glauben entfernt haben?" Besonders beeindruckt war sie von der These, dass die Lehre Jesu in der Überlieferung nach und nach modifiziert und die Verdienste der Frau in der Entwicklung des Christentums sukzessive zurück gedrängt worden seien - bis hin zur weitgehenden Verleugnung der Rolle Maria Magdalenas. "Je länger ich mich damit beschäftigt habe, umso mehr ist mir klar geworden, dass es weibliche Propheten gab, Frauen, die ihre eigenen Werke verfasst haben", sagt sie. "Was mich fasziniert hat war, dass es schon damals eine Art Zensur gab, die entschied, welche Evangelien es wert waren, überliefert zu werden und welche nicht. Die meisten Menschen wissen überhaupt nichts über diese Dinge, denn vor 1700 Jahren war man der Überzeugung, dass Frauen ohnehin nichts zu sagen hätten. Mit solchen Leuten konnte Jesus nichts anfangen." Sie lacht. "Das ist, als würde man Jimi-Hendrix-Songs spielen wollen, aber ohne die Gitarren."

"Hier geht es nicht um den DaVinciCode," fügt sie hinzu. Ihre theoretische Grundlage umfasst sehr viel mehr. "Es gibt so viele mythische Archetypen, mit denen ich auf `The Beekeeper` spiele. Unterschiedliche Bienenköniginnen verschiedener Mythologien, egal ob es Sekhmet, Kuan-Yin, Freya oder Königin Maeve ist."

Es ist also keine Überraschung, dass es auf "The Beekeeper" darum geht, verschiedene gegensätzliche Stücke und Ideen zusammenzubringen und Hierarchien und Machtstrukturen in Frage zu stellen. Das Album ist eine facettenreiche Auswahl von Parabeln. Es geht um Themen wie das Geschlechterverhältnis (musikalisch von Amos aufgegriffen, indem sie Klavier und Orgel gleichermaßen spielt, wobei das Klavier traditionell als weibliches Instrument gilt und die Orgel als männliches) oder die Frage, warum wir alle sterben müssen und ob der Tod sich umgehen lässt. Amos´ Protagonistin wird dabei von einem Bienenzüchter, einem Beekeeper, durch die sechs metaphorischen Gärten des Albums geführt.

Amos hat sich schon immer für Bienen interessiert (wir erinnern uns an das Stück "Honey" von der "Hey Jupiter EP") und hat sich mithilfe von Simon Buxtons Büchern "The Shamanic Way of the Bee: Ancient Wisdom" und "Healing Practices of the Bee Masters" in die Materie eingearbeitet. In diesen Büchern beschreibt Buxton die Initiationsrituale der angehenden Bienenzüchter. "Der Züchter fing an, das Gleichgewicht der Natur zu verstehen und begriff, dass die Bienen sich im Garten, dem heiligen Raum der Sexualität und Zeugung bewegen."

"Als ich die Beschreibung des Bienenzüchters las, wurde mir klar, dass er die kreative, die neutrale Kraft in unserer Geschichte ist." Keine autoritäre Kraft, der man dienen und gehorchen muss, aber eine die hilft, den Weg zu erleuchten, zu informieren und das Zusammenspiel der Partner im Kreis des Lebens zu erkennen.

"The Beekeeper" beginnt genau wie eine andere berühmte Garten-Allegorie mit der Konfrontation der Heldin mit einer Frucht. Aber inspiriert vom geheimen Buch Johannes´ existiert bei Amos keine strenge Vaterfigur, die gebietet "Du sollst nicht...", dafür eine weise Frau namens Sophia, die der Heldin dazu rät, zu essen. "Indem sie vom Baum der Erkenntnis isst, erfährt unsere Heldin all diese Dinge: Leidenschaft, Verrat. All die Emotionen, denen du in einer Partnerschaft ausgesetzt bist. Manche habe ich stärker betont als andere, aber sie kommen alle vor. Und wir haben diese sechs Gärten entwickelt. Die sechs ist dabei eine Referenz an die sechseckige Form der Bienenwaben und natürlich an die sechs Tage, die Gott in der Genesis brauchte, um die Welt zu erschaffen. Biblische Mythologie und die alte Geschichte aus Sicht der Frau sind sehr eng verbunden. Als ich erkannte, dass die Gärten verschiedenen Arten von weiblichen Beziehungen reflektierten, kamen die Songs wie von selbst. Ich musste mich nur noch zurücklehnen und sie nahmen ganz von alleine ihre Form an."

Quelle: Sony BMG
Foto: Kevin McIntosh

Amos, Tori

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